BRCMarathonTempomacherZürich Marathon 2019

28. April 2019

Den ersten Marathon zu laufen ist etwas ganz Besonderes. An den wird man sich wahrscheinlich immer erinnern. Für Sarah stand am vergangenen Sonntag genau das auf dem Programm, ihre Marathonpremiere. Der Zürich Marathon ist dafür eine ganz gute Wahl, eine kurze Anreise und ein flacher Kurs bieten beste Voraussetzungen für die ersten 42195 Meter. Wären da nicht die Wetteraussichten für den Premieresonntag gewesen: Regen bei 4 Grad waren angekündigt!

Das wünscht man sich für den Ersten nicht gerade, aber Laufen ist nun mal ein Outdoorsport, da muss man dann halt durch. Der Dauerregen auf der Anfahrt liess nichts Gutes erahnen, aber die Wetterapp gab Hoffnung: Das Regenband schien endlich zu sein und hatte an Grösse bereits eingebüsst. Vielleicht wird’s doch noch?

Und dann die Überraschung in der Limmatstadt: Es regnete gar nicht und die Strassen waren trocken! Gerade als wir aus dem Auto stiegen änderte sich das aber ganz schnell, jetzt regnete es auch hier, scheinbar hatten wir ihn mitgebracht. Der Regen war das Eine, die Kälte das Andere. Wie sollte man da bis zum Start ausharren? Wir fanden eine Lösung: Das Gastrozelt im Zielbereich. Zwar schon gut gefüllt gab es für uns noch Platz in der warmen Läufermenge.

Petrus schien Sarah und ihre Marathonpläne zu mögen, denn als wir uns exakt 2 Minuten vor dem Start in den Block begaben, hörte der Regen auf. Und dann war es auch schon soweit, der erste Startschuss in Sarahs Marathonleben stand bevor. Aber wo war er? Und wo war überhaupt die Startlinie? Kein Sprecher, kein Schuss. Hatten die Zürcher ihre ganze Munition beim Knabenschiessen verballert?

Die Marathonmasse setzte sich langsam in Bewegung und als die Zeitmatten unter unseren Füssen erschienen ging es los. Aber nur für wenige Meter und alles stand wieder. Was war denn das? Wir überquerten erneut Zeitmessmatten und jetzt waren es wohl die Richtigen. Naja, lieber Zürich Marathon, das konntet ihr schon mal besser.

Aber von nun an lief es wie geschmiert, trotz dem Start im Mittelfeld war genügend Platz vorhanden und enge Situationen gab es nicht. Die erste Aufgabe bestand dann darin, den grossen Wasserpfützen auszuweichen, die hatte Petrus noch nicht abgezogen. Hinzu kamen noch Tramgleise, also genügend Material, um sich die Zeit beim Marathon zu vertreiben.

Sarah war bester Dinge, trotz Premiere war sie gar nicht mal so aufgeregt, cool die Frau, das gefiel mir. Und sie hatte Spass an ihrem ersten Marathon, lachte viel, da gab es ganz andere Konsorten auf der Strecke. Vor allem was da die Leute wieder alles anhatten? Einige liefen mit ihren Müllsäcken herum, obwohl es gar nicht mehr regnete. Andere mit richtigen Winterjacken! Wieder ein Anderer schleppte Wasserbehälter mit sich, als wolle er in die Sahara. Ja nun, so ein bisschen Wüste ist Zürich ja auch, aber nicht gleich so! Und dann war da noch ein Staffelteam, das mit Klobrillen auf dem Rücken herumlief. Sie forderten saubere Toiletten und genderneutrale Scheisshäuser. Wo? Keine Ahnung.

Apropos Teamlauf und Staffeln, dass ist dann wirklich was für die Klappbrille. In Zürich starten die nämlich zeitgleich mit den Marathonläufern. Und damit noch mehr Kohle in die Veranstaltungskasse kommt, auch noch der Cityrun über 10km. Ich habs schon oft geschrieben, aber hier nochmals: Das ist Schwachsinn! Erstens erzeugt das eine enorme Unruhe während dem Lauf und zweitens ist das unfair gegenüber den Marathonläufern. Der Zuschauer erkennt nicht, wer hier das läuft, wonach es benannt ist, oder wer nur ein Bruchteil davon rennt. Die Wechselzonen nerven, man muss höllichst aufpassen, dass man nicht in irgendwelche Strassenhütchen reinläuft oder eine falsche Abbiegung nimmt. Sogar quergestellte Absperrgitter befanden sich einmal auf der Strecke! Einfach unglaublich!

Sarah lief recht zügig los, als Pacemaker musste ich aufpassen, dass es nicht zu schnell wurde. Aber wir quatschten, lachten und sangen sogar! Die Intensität stimmte, die Chemie auch.

Sarah hatte viel Spass bei ihrer Premiere
Die Strecke in Zürich ist so was – zuerst mal ne Runde durch die Stadt – mmh -dann die gleichen Kilometer wie zu Beginn – mmh – dann dem Ufer des Sees entlang bis nach Meilen – ganz ok – und dann das ganze wieder zurück – mmh – und nochmals eine kleine Runde durch die Stadt – och – dann das Ziel am Mythenquai – endlich.

Was mir als Pacemaker gleich mal auffiel: Nicht jedes Kilometerschild stand an der aufgesprühten Kilometermarkierung. Teilweise waren da Differenzen von gut hundert Metern! Speziell beim Schild km 40, dass wir ja auf der Einführungsrunde bereits passierten. Meine Uhr sollte meine Bedenken bestätigen, die Schilder waren nicht alle am richtigen Platz. Warum ist das so schwierig? Die meisten stimmten aber, immerhin.

James liess es richtig krachen: Neue PB unter 2:40!
Sarah sollte das aber nicht gross stören, schliesslich war das mein Job, die richtige Pace im Auge zu behalten. Die Halbzeit nahte bereits, da kam uns James entgegen! Möglich war dies durch die gegenläufige Strecke nach Meilen und zurück nach Zürich. Er sah topfit aus und schien auf Kurs. Kurz vor dem Wendepunkt passierte uns Marina, gut gelaunt wie immer.

Marina kam uns kurz vor dem Wendepunkt in Meilen entgegen – sie sollte PB laufen
Und dann war sie da: Die Sonne! Ganze 10 Kilometer begleitete sie uns, aber das reichte auch, denn es wurde sofort warm ohne Bewölkung. Wir waren definitiv mit unserer Kleidung nicht auf die Gute eingestellt.

Meine nette Begleiterin war nun etwas ruhiger geworden, wir hatten die Phase erreicht, wo der Marathon begann. Die Kohlenhydrate waren aufgebraucht und ab jetzt war Fett der Energielieferant. Aber Sarah machte das sehr gut – sie hatte ein klares Ziel – den Marathon ins Ziel bringen und wenn möglich unter 4 Stunden – sie musste und wollte nun kämpfen.

Die Halbzeit ist gleich erreicht – da darf gelacht werden
Ich zerlegte ihr die restlichen Kilometer in verschiedene Häppchen, die immer kleiner wurden. Ab Kilometer 32 begann ich hochzurechnen: Unsere Pace passte immer noch, wir konnten uns sogar noch etwas dazu leisten. Aber nicht zu viel, das stand fest.

Sarah war nun etwas langsamer geworden, der Marathon war für sie im vollen Gange. Aber das Tempo war immer noch gut, das Zeitziel problemlos möglich. Auch genügend Zeit bei der Getränkeaufnahme änderte daran nichts, als wir km 40 passierten war klar: wir schaffen das!

Nach 3:57:12 war es dann soweit: Sarah lief zum ersten Mal über die Ziellinie eines Marathons! Der Pacemaker und Trainer war mega stolz und happy! Willkommen im Club der Bescheuerten! Und für ihn wartete dann noch eine Überraschung: Denise, die Freundin von Sarah, hatte ihm ein Zielbier mitgebracht! Juhuuu!

Ein Zielbier hatte derweil auch James besorgt und gleich gab es einen dicken Grund zum Anstossen: Neue PB in 2:39:31! Mein Eindruck beim Entgegenkommen hatte nicht getäuscht. Was ein Hammer von ihm! Dickes Kompliment!

Und auch Marina schaffte eine neue PB! Nach 3:42:36 kam sie am Mythenquai über die Ziellinie. Ganz zufrieden war sie aber nicht, hatte sich mehr erhofft. Sie fühlte sich vom Start weg nicht richtig fit. Aber trotzdem hatte sie noch etwas tolle draus gemacht! Gratulation zur Bestzeit Marina!

Der Blick schrieb übrigens: Das garstige Regenwetter hätte Bestzeiten nicht möglich gemacht. Hahahaha :).

Und was blieb mir bei meinem 54. Marathon? Verdammt viel Freude, bei einer tollen Marathonpremiere dabei gewesen zu sein!