AllgemeinDavid wird beim Halben in Luzern Zweiter

28. Oktober 2018

David lieferte sich ein mega spannendes Rennen, das erst auf dem letzten Kilometer entschieden wurde. Hier sein Bericht:

 

In der Deutschschweiz war Luzern eines der letzten gossen Läufe, welche mir noch gefehlt haben. Beim Halbmarathon starteten dieses Jahr um die 6000 Leute. Bis jetzt habe ich nur Gutes davon gehört. Eigentlich wäre der Plan nach dem Zürich Marathon gewesen, die Bahnsaison in Angriff zu nehmen und mich über 5000 Meter für die SM zu qualifizieren. Danach hätte ich mich für einen Herbstmarathon vorbereitet und dazu vorher vielleicht noch beim Great North Run gestartet (steht noch auf der to-do Liste). Allerdings ging die Bahnsaison, was ja für uns Strassenläufer eher die Zwischensaison ist, sprichwörtlich flöten. Dies aufgrund einer Verletzungspause von vier Wochen. So wäre die Vorbereitungszeit für einen schnellen Marathon zu knapp gewesen, weshalb ich mich entschied, meine 10km-PB deutlich zu verbessern und als Abschluss Ende Oktober zum ersten Mal den Luzern Halbmarathon zu laufen.

Der Einstieg ins Laufen Ende Juli war gelinde gesagt eine Katastrophe, nach einigen Wochen lief ich einen 5000m-Testwettkampf zur Bestimmung der Fitness gerade mal in der Pace wie heute beim Halbmarathon. Damit war aber der Ehrgeiz geweckt und der innere Startschuss fiel, nochmals hart zu arbeiten, ohne dieselben Umfänge wie beim Marathon, die nach der Verletzungspause ohnehin nicht möglich gewesen wären.

In den zwei sehr guten Monaten August und September konnte ich auch dank vielen Trainingswettkämpfen wie zum Beispiel dem AKB Run, den ich als Tempolauf nutzte, die Form deutlich steigern und so lief ich bei Hitze und auf Kies die lang fälligen sub 33 Minuten über 10km beim Lauf um den Staufberg. Der Southend 10k war dann mein erstes grosses Saisonziel. Zum ersten Mal in England und mit Tapering war mir klar, dass ich da auch standesgemäss die 32 Minuten knacken kann.

Die Form für Luzern stimmte also, nun fehlten nur noch ein paar halbmarathonspezifische Einheiten. Leider hat mich danach aber eine Erkältung eine Woche lang lahmgelegt und ich lief wenn, dann nur kurz und locker. Trotzdem hat es zum Glück noch als Pacemaker für Maren beim München Marathon gereicht. Danach war ich auch wieder gesund, nur war ich diesmal aufgrund einer Verhärtung vom Marathon in der linken Wade eine Woche lang limitiert. Das habe ich aber akzeptiert und anstatt zu laufen, habe ich halt einfach das Wochenende wieder Mal für Party genützt. Der letzte Trainingszyklus war also eher suboptimal mit sehr bescheidenen, um die 60 Wochenkilometern. Jedoch wusste ich, dass die Form stimmt und ich in Luzern einfach versuchen sollte vorne mitzulaufen und aufgrund des Streckenprofils sowieso nicht auf die Zeit schauen sollte. Das Ziel war, wenn möglich einen Podestplatz zu ergattern, von der Zeit sollte eine 1:10-1:11 drinnliegen.

Das grosse Thema bei uns vor dem Start war immer das Wetter, davon wollte ich mich aber nicht zu fest blenden lassen und glücklicherweise hat es ja erst nach einer Stunde begonnen zu Regnen. Die Strassen waren zwar nass, aber rutschig war es nicht. Zudem empfand ich die kühlen Temperaturen sehr angenehm, denn man muss beim langen, schnellen Laufen viel Hitze loswerden. Schon zu Beginn hat sich eine grosse Gruppe gebildet, die erstaunlicherweise recht lange zusammenblieb. Es gab nur wenige taktische Manöver, von einigen Läufern die versucht haben auszubrechen, von der Masse aber schnell wieder geschluckt wurden. Bekanntlich hat es in Luzern drei merkbare Anstiege von etwa dem Ausmass der Wettsteinbrücke, wie mir jemand erklärt hat. Ziel war es, bei den Anstiegen nicht zu viel Kraft zu vergeuden, das heisst gefühlsmässig sollte es nur minim anstrengender sein als der abschüssige Teil, wenn überhaupt. Nach dem ersten solchen Buckel konnte ich mich mit einem Kontrahenten aus Potsdam absetzen und wir wechselten uns ständig in der Führung. Aufwärts war er ein paar Meter voran, abwärts überholte ich ihn wieder. Die Kilometerzeiten zwischen 3:00-3:30 waren völlig irrelevant. Es machte richtig Spass so zu laufen und genau diese Momente sind es, warum ich Wettkampfsport betreibe. Nachdem wir die 10km-Fahne in exakt 33 Minuten passierten und ich mich noch sehr gut fühlte, wusste ich, dass es ein gutes Rennen werden würde. Wir hätten bereits eine Minute Vorsprung, meinte der Speaker. Jetzt startete der interessante Teil des Rennens. Noch liefen wir zusammen, nur wie lange? – das war die Frage.

Im Gegensatz zu Southend konnte ich mich nun aber völlig auf das Rennen fokussieren, die Atmung, die Schrittfrequenz, der Gegner neben mir. Anstatt flowige, kleine Hügel, brachten jetzt der Einlauf ins Fusballstadion Allmend und später ins KKL Abwechslung. Ein paar scharfe Kurven mussten genommen werden aber noch immer waren wir zusammen. Nachdem es nach 16km leicht abwärts ging, versuchte ich etwas zu Beschleunigen und konnte eine leichte Lücke von etwa fünfzig Meter schaffen. Nun wusste ich, dass es bis zum Ende hart wird und ich beissen musste. Die Führungsrolle euphorisierte aber nochmals und liess die Schmerzen vergessen.

 

Nach der Seebrücke folgten die letzten zwei Kilometer und erst da realisierte ich anhand der Zeit des Führungsfahrzeuges, dass es sogar tatsächlich eine PB werden könnte. Momentan wollte und konnte ich dazu aber überhaupt keine Gedanken verschwenden, sondern war nur bedacht, an diesem Fahrzeug vor mir drannzubleiben und es ins Ziel zu schaffen. Dass der geringe Abstand hinten mehr und mehr schmolz, bemerkte ich leider nicht, denn ich schaute nur nach vorne. Als ich dann beim letzten Kilometer völlig überraschend von hinten im Sprint überholt wurde, war der Traum leider geplatzt. Reagieren konnte ich unmöglich, denn ich war schon am Limit. Wie ich jetzt im Nachhinein sehe, waren die letzten drei Kilometer mit 3:13 sogar rund vier Sekunden pro Kilometer schneller als die Durchschnittspace.

Trotzdem bin ich hochzufrieden mit dem tollen zweiten Platz in Luzern. Die Stimmung war genial und zusammen konnten wir den Tag bei feinem Essen gut ausklingen lassen. Die Endzeit von 1:09:27 auf dieser Strecke ist völlig unerwartet, für mich ein toller Saisonabschluss.

Die Bilanz von acht PB’s bei neun Halbmarathons seit meinem ersten Halbmarathon in Freiburg im Breisgau (1:19:31) in den letzten dreieinhalb Jahren, liest sich hervorragend. Dass es nicht immer so weitergehen wird ist mir schon bewusst, gibt mir aber für nächstes Jahr viel Selbstvertrauen um in Zürich beim Marathon einen grossen Schritt näher an die 2 Stunden 20 Minuten zu kommen und… auch sehr wichtig, zum ersten Mal bei der Leichtathletik SM (2019 im August in Basel!) mittun zu können.

Pressebericht Luzerner Zeitung